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Ratgeber - Bewerben

Anschreiben fürs Praktikum - Aufbau, Einstieg und Beispiele

Wie du ein Anschreiben fürs Praktikum aufbaust, das persönlich klingt und trotzdem klar strukturiert ist.

Stand

Kurzantwort

Ein gutes Anschreiben ist eine Seite, in deiner Sprache und mit konkretem Bezug zum Unternehmen und Zeitraum. Zwei bis drei belegte Stärken statt einer Adjektiv-Liste - und kein Textbaustein.

Aufbau eines Anschreibens fürs Praktikum

Ein gutes Anschreiben ist kurz, konkret und persönlich. Eine Seite reicht - oft sind es sogar nur zwei Drittel davon. Wichtiger als jede Formel ist, dass klar wird: Wer schreibt, warum genau dieses Unternehmen, in welchem Zeitraum und was du dir davon erhoffst.

Der übliche Aufbau folgt einer klaren Reihenfolge: Kopfzeile mit deinen Kontaktdaten, Anschrift des Unternehmens, Datum, Betreff, Anrede, Einstieg, Motivation, deine passenden Stärken, Bezug zum Unternehmen, Zeitraum, Abschluss und Unterschrift.

Betreff - konkret statt vage

Der Betreff nennt in einer Zeile, worum es geht. Vage Formulierungen wie „Meine Bewerbung“ helfen niemandem. Nenne stattdessen Art des Praktikums und Zeitraum, damit die Ansprechperson dein Anliegen sofort einordnen kann.

  • Bewerbung um ein Schülerpraktikum vom 12. bis 23. Mai 2026
  • Bewerbung um ein Pflichtpraktikum im Marketing (August bis Oktober 2026)
  • Initiativbewerbung um ein freiwilliges Praktikum in der Redaktion

Einstieg - der erste Satz zählt

Der Klassiker „hiermit bewerbe ich mich“ ist erlaubt, aber langweilig. Besser: einen Satz, der zeigt, dass du dich mit dem Unternehmen beschäftigt hast oder eine konkrete eigene Motivation benennt. Der Einstieg soll neugierig machen, nicht anbiedern.

Zwei ehrliche Wege funktionieren fast immer: entweder ein konkreter Bezug (was hat dich auf das Unternehmen aufmerksam gemacht) oder eine klare eigene Frage, die du im Praktikum beantwortet haben willst (zum Beispiel „ob ein Beruf im Bereich XY zu mir passt“).

Motivation - warum gerade dieses Berufsfeld

In zwei bis vier Sätzen erklärst du, warum dich dieses Berufsfeld interessiert. Was hat dich neugierig gemacht? Ein Schulfach, ein Familienmitglied im Beruf, ein Erlebnis, ein Artikel, ein Berufsfeld-Check? Bleib bei dem, was wirklich stimmt - Übertreibungen fallen im Gespräch sofort auf.

Passende Stärken - Belege statt Adjektive

Statt eine Liste von Adjektiven wie „motiviert, teamfähig, zuverlässig“ anzuführen, nenne kurz, woran man das erkennt. Ein einziger konkreter Beleg wirkt stärker als drei allgemeine Behauptungen.

Zwei bis drei Stärken reichen. Sie sollten zum Berufsfeld passen - für eine Kfz-Werkstatt sind praktische Erfahrungen aus Schule oder Freizeit oft aussagekräftiger als Noten im Deutschunterricht, für eine Redaktion umgekehrt.

Fehlende Berufserfahrung sinnvoll ausgleichen

Als Schüler oder Studierender hast du oft noch keine oder wenig Berufserfahrung. Das ist normal und keine Schwäche - Betriebe wissen das. Wichtig ist, dass du zeigst, an welchen Stellen du bereits etwas gelernt hast, das zum Berufsfeld passt.

Als Belege eignen sich Schulprojekte, Referate, freiwillige Kurse, Ehrenamt, Vereine, Nebenjobs, Nachhilfe, ältere Praktika, Familienbetriebe oder auch ein längeres Hobby. Das gilt für beide Seiten - Anschreiben und Lebenslauf. Details zum Lebenslauf stehen im Ratgeber „Lebenslauf ohne Berufserfahrung“.

Unternehmensbezug - warum genau dieser Betrieb

Der Unternehmensbezug ist der Teil, der am häufigsten fehlt - und gleichzeitig den größten Unterschied macht. Ein oder zwei Sätze genügen: Was hast du auf der Website gesehen, was macht dieser Betrieb, das andere so nicht tun?

Das kann eine Fachrichtung sein, ein bestimmtes Produkt, eine regionale Verankerung, ein Kundentyp oder eine Ausrichtung, die zu deiner Frage passt. Wichtig: keine leeren Komplimente wie „marktführend“ oder „innovativ“ ohne erkennbaren Bezug.

Besonders wichtig wird dieser Teil, wenn keine Stelle ausgeschrieben ist: Initiativbewerbung für ein Praktikum.

Zeitraum - klar und verbindlich

Nenne den möglichen Zeitraum konkret und in einer eigenen Zeile oder einem eigenen Satz. So kann die Ansprechperson sofort prüfen, ob es passt. Bei Pflichtpraktika weise darauf hin, dass es sich um ein Pflichtpraktikum handelt und wie viele Wochen vorgeschrieben sind.

Abschluss - klar, freundlich, ohne Konjunktiv-Schleife

Zum Schluss zwei Dinge: dass du dich über ein Gespräch freuen würdest und dass die Unterlagen (Lebenslauf, ggf. Zeugnisse) im Anhang liegen. Auf Formeln wie „ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir die Möglichkeit gäben“ kannst du verzichten. Ein klarer Satz genügt.

Beispielsätze für ein Schülerpraktikum

Beispiel

Das gesamte Vorgehen vom Rahmen bis zur Checkliste steht unter Bewerbung für ein Schülerpraktikum.

Betreff: Bewerbung um ein Schülerpraktikum vom 12. bis 23. Mai 2026

„Sehr geehrte Frau Schuster,

im Berufsorientierungsunterricht der neunten Klasse soll ich zwei Wochen in einem Beruf mitlaufen, der mich wirklich interessiert. Ihre Tierarztpraxis in Landshut habe ich über die Website meiner Schule gefunden und war überrascht, wie viele Kleintiere Sie neben Hunden und Katzen behandeln.

Ich mag Tiere seit ich denken kann - meine Familie hat zwei Katzen und ein Meerschweinchen, um die ich mich mit kümmere. In der Schule liegt mir Biologie besonders. Ich möchte im Praktikum in Ruhe beobachten, wie eine Tierarztpraxis von innen wirklich aussieht, um zu sehen, ob das ein Berufsweg für mich sein könnte.

Der Zeitraum ist vom 12. bis 23. Mai 2026 vorgegeben. Über ein kurzes Gespräch - gerne auch telefonisch - würde ich mich freuen. Meine Unterlagen finden Sie im Anhang.

Mit freundlichen Grüßen
Ayse Demir“

Beispielsätze für ein Pflichtpraktikum im Studium

Beispiel

Welche formalen Angaben dazugehören und was vor der Zusage zu klären ist, steht unter Bewerbung für ein Pflichtpraktikum.

Betreff: Bewerbung um ein Pflichtpraktikum im Marketing, August bis Oktober 2026

„Sehr geehrter Herr Berg,

im vierten Semester meines BWL-Studiums an der Hochschule München steht ein zwölfwöchiges Pflichtpraktikum an. Ihre Agentur ist mir im Rahmen einer Fallstudie zum Thema regionale Marken aufgefallen - besonders die Arbeit für den Kunden XY hat mich interessiert, weil Content und Kampagne ungewöhnlich eng verzahnt waren.

Im Studium habe ich Grundlagen in Konsumentenverhalten, Marktforschung und digitalem Marketing belegt. In einem Semesterprojekt habe ich mit drei Kommilitoninnen eine Social-Media-Kampagne für einen lokalen Verein entwickelt - vom Briefing bis zum Reporting. Dort habe ich gemerkt, wie viel handwerkliche Arbeit hinter einem einzelnen Post steckt und dass ich genau diesen Teil weiter lernen möchte.

Der Praktikumszeitraum wäre vom 3. August bis 25. Oktober 2026. Über ein Kennenlerngespräch würde ich mich freuen. Lebenslauf und Studienbescheinigung liegen bei.

Mit freundlichen Grüßen
Jonas Weber“

Häufige Fehler, die sich leicht vermeiden lassen

  • Falsche Anrede oder falscher Firmenname (nach Copy-Paste besonders häufig)
  • Vager Betreff wie „Meine Bewerbung“ ohne Zeitraum
  • Textbausteine, die ganz offensichtlich aus einem Muster stammen
  • Adjektiv-Listen ohne Belege („motiviert, teamfähig, zuverlässig“)
  • Übertriebene Komplimente an das Unternehmen ohne echten Bezug
  • Kein konkreter Zeitraum genannt
  • Zu lang - mehr als eine Seite wirkt fast immer zäh
  • Fehlende Unterschrift, fehlende Anlagen oder fehlerhafte Dateibenennung

Und bitte keine generischen KI-Formulierungen

Sätze wie „ich bin überzeugt, dass ich mit meiner Leidenschaft und meinem Engagement einen wertvollen Beitrag zu Ihrem Unternehmen leisten kann“ wirken heute doppelt problematisch: Sie sagen nichts aus - und die meisten Personalverantwortlichen erkennen den typischen Textbaustein sofort.

Ein Anschreiben soll klingen wie du. Lieber ein einfacher, konkreter Satz in deiner Sprache als ein perfekt polierter, austauschbarer Text.

Vorher die eigenen Inhalte sammeln

Wenn dir noch nicht klar ist, was in dein Anschreiben gehört, hilft das Anschreiben-Arbeitsblatt. Es sammelt Motivation, Betriebsbezug und deine Stärken. Vor dem Absenden lohnt sich dann die Bewerbungs-Checkliste.

Weiterlesen auf praktikum.org

Quellen und Geltungsbereich

  1. [1]Bundesinstitut für Berufsbildung - Startseite - Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Abgerufen am 2026-07-23