Ratgeber - Bericht und Zeugnis
Tätigkeiten im Praktikumsbericht beschreiben
Wie aus einer reinen Aufzählung deiner Aufgaben eine verständliche Beschreibung wird - mit Mustern, Beispielen und Hinweisen zum Datenschutz.
Stand
Kurzantwort
Bitte beachten
Ein einfaches Muster für jede Tätigkeit
Der Unterschied zwischen einer Liste und einem Bericht liegt im Kontext. Fünf Fragen reichen aus, um aus einer Aufgabe eine Beschreibung zu machen:
- Was war die Aufgabe?
- Warum wurde sie gemacht, wozu dient sie im Betrieb?
- Wie lief sie ab?
- Welche Hilfsmittel, Geräte oder Kenntnisse waren nötig?
- Was hast du dabei gelernt oder beobachtet?
Nicht jede Tätigkeit braucht alle fünf Punkte. Für Routineaufgaben reichen oft zwei Sätze; für die Aufgaben, die dein Praktikum geprägt haben, lohnt sich der volle Durchgang.
Aufzählen und beschreiben im Vergleich
Büro
Ich habe Briefe sortiert.
besserDie Eingangspost wird morgens nach Abteilungen vorsortiert, damit die Sachbearbeitung direkt weiterarbeiten kann. Ich habe die Sendungen geöffnet, nach Vorgangsart getrennt und in die Fächer verteilt. Dabei habe ich gemerkt, wie viele Vorgänge weiterhin auf Papier laufen.
Kfz-Werkstatt
Ich habe beim Reifenwechsel geholfen.
besserBeim Radwechsel durfte ich zusehen und zuarbeiten: Räder heranrollen, Werkzeug bereitlegen und die Radbolzen nach Anweisung vorlegen. Das Anziehen mit dem Drehmomentschlüssel hat der Mechaniker selbst übernommen, weil daran die Sicherheit hängt. Ich habe verstanden, warum jeder Handgriff eine feste Reihenfolge hat.
Kindergarten
Ich habe mit Kindern gespielt.
besserIm Freispiel habe ich eine kleine Gruppe am Basteltisch begleitet. Meine Aufgabe war, Material bereitzuhalten und bei Konflikten um die Scheren zu vermitteln, ohne sofort einzugreifen. Die Erzieherin hat mir erklärt, dass Kinder viele Streitigkeiten selbst lösen, wenn man ihnen Zeit lässt.
IT
Ich habe am Computer gearbeitet.
besserIch habe eine interne Weboberfläche nach einem vorgegebenen Testplan durchgeklickt und Abweichungen in einer Tabelle notiert: welcher Schritt, welches Verhalten, welcher Browser. Neu war für mich, wie genau ein Fehler beschrieben sein muss, damit ihn jemand anderes nachstellen kann.
Fachbegriffe: verwenden und erklären
Fachbegriffe zeigen, dass du dich eingearbeitet hast - du darfst sie verwenden. Erkläre sie aber dort kurz, wo die lesende Person sie nicht kennen kann. Ein Halbsatz reicht meist: „Die Anamnese, also das Aufnahmegespräch zur Krankengeschichte, …“. Wenn du selbst nicht sicher erklären kannst, was ein Begriff bedeutet, frag im Betrieb nach oder schreib es in eigenen Worten.
Ich-Form oder sachliche Darstellung?
Beides ist üblich, und es gibt keine allgemeingültige Vorgabe. Schulen und Hochschulen handhaben das unterschiedlich - sieh in dein Aufgabenblatt oder frag nach.
Ich-Form: „Ich habe die Warenlieferung mit dem Lieferschein abgeglichen und Abweichungen notiert.“
Sachlich: „Die Warenlieferung wird beim Eingang mit dem Lieferschein abgeglichen; Abweichungen werden notiert.“
Wichtig ist nur, dass du innerhalb eines Kapitels bei einer Variante bleibst und dass erkennbar ist, was du selbst getan und was du beobachtet hast.
Was nicht in den Bericht gehört
Dein Bericht wird gelesen, bewertet und manchmal abgeheftet. Vertrauliches hat darin nichts zu suchen. Schreib in solchen Fällen allgemein: „ein Kunde“, „ein Kind aus der Gruppe“, „eine Patientin“.
- vollständige Kundendaten, Adressen oder Vorgangsnummern
- Patientendaten und Angaben zu Diagnosen oder Behandlungen
- Namen von betreuten Kindern, Bewohnerinnen oder Bewohnern
- Passwörter, Zugangsdaten und interne Systemadressen
- vertrauliche Geschäftsunterlagen, Angebote oder Preise
- Fotos aus dem Betrieb ohne ausdrückliche Erlaubnis
Besonders vorsichtig in sensiblen Bereichen
In Pflege, Medizin, Kita, Schule, Sozialarbeit, Polizei und Justiz gilt eine strengere Zurückhaltung, oft auch eine ausdrückliche Schweigepflicht. Beschreibe dort Abläufe und deine eigene Rolle, nicht einzelne Personen und ihre Situation. Wenn du unsicher bist, ob du über eine Situation schreiben darfst, frag deine Betreuungsperson im Betrieb - das ist keine Umstandskrämerei, sondern üblich.
Tagesbericht und ausführliche Beschreibung sind nicht dasselbe
Ein Tages- oder Wochenbericht hält knapp fest, was an einem Tag passiert ist. Er ist chronologisch, kurz und entsteht laufend.
Die Tätigkeitsbeschreibung im Praktikumsbericht ist thematisch geordnet: Du fasst zusammen, was zu einer Aufgabe gehört, statt sie an jedem Tag erneut zu erwähnen. Deine Tagesnotizen sind dafür das Rohmaterial - und genau deshalb lohnt es sich, sie während des Praktikums zu führen.
Beschreiben ist noch nicht reflektieren
Kurze Schreibhilfe für jede Aufgabe
Wenn du bei einer Tätigkeit feststeckst, beantworte diese sechs Fragen stichwortartig auf Papier. Aus den Antworten wird fast von selbst ein Absatz. Deine Notizen bleiben dabei bei dir - diese Seite speichert nichts.
- Was habe ich getan?
- Mit wem zusammen?
- Mit welchem Ziel im Betrieb?
- Was war neu für mich?
- Was war schwierig?
- Was habe ich dadurch verstanden?
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