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Praktikumsprofil

Praktikum beim Rechtsanwalt

Ein Praktikum in einer Rechtsanwaltskanzlei zeigt Kanzleiorganisation, Aktenführung, Fristen und Recherche - in einem Umfeld, in dem Verschwiegenheit an erster Stelle steht.

Kurze Orientierung

Eine Kanzlei arbeitet mit Sprache, Fristen und Akten. Im Praktikum siehst du vor allem, wie sorgfältig Sachverhalte aufbereitet werden - und wie streng die Verschwiegenheit gilt, die hier für alle Beteiligten selbstverständlich ist.

Kerndaten auf einen Blick

Bewerbungsvorlauf

Mehrere Wochen bis Monate im Voraus

Kleinere Kanzleien entscheiden oft kurzfristiger als große Einheiten mit festem Praktikumsprogramm.

Typisch

Besondere Nachweise

Verschwiegenheit und Grenzen der Rechtsberatung

Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte unterliegen der beruflichen Verschwiegenheitspflicht; sie erstreckt sich auf ihre Mitarbeitenden. Außerdem darf Rechtsberatung nur im gesetzlich zulässigen Rahmen erbracht werden. Praktikanten beraten deshalb nicht selbst und geben keine Auskünfte nach außen.

Allgemein

Typische Tätigkeiten

  1. 01

    Kanzleiorganisation und Aufbau von Akten verstehen

  2. 02

    Posteingang, Wiedervorlagen und Fristenorganisation beobachten

  3. 03

    Einfache Rechercheaufgaben übernehmen, etwa das Zusammentragen von Fundstellen

  4. 04

    Termine begleiten, soweit die Kanzlei und die Mandantschaft das zulassen

  5. 05

    Juristische Berufsbilder kennenlernen, von Anwaltschaft bis Rechtsanwaltsfachangestellten

Bereiche im Überblick

Nicht jedes Praktikum umfasst alle Bereiche. Die Aufteilung zeigt, was in typischen Umfeldern anfällt und wo Praktikanten eher hospitieren als selbst handeln.

Kanzleiorganisation und Fristen

Posteingang, Wiedervorlage, Fristenkalender - das Rückgrat jeder Kanzlei.

Praktikanten können

  • Aufbau von Akten und Ablage verstehen
  • Beobachten, wie Fristen notiert und kontrolliert werden
  • Bei einfachen organisatorischen Aufgaben zuarbeiten

Meist nur begleiten

  • Eintragen und Streichen von Fristen
  • Versand fristgebundener Schriftsätze
  • Zugriff auf Akten ohne konkrete Aufgabe

Recherche

Gesetze, Kommentare, Rechtsprechung - die Grundlage jeder Argumentation.

Praktikanten können

  • Fundstellen zu einer klar umrissenen Frage zusammentragen
  • Öffentlich zugängliche Quellen sichten und ordnen
  • Mit juristischem Vorwissen Sachverhalte strukturiert aufbereiten

Meist nur begleiten

  • Bewertung, welche Rechtsauffassung vertreten wird
  • Verwertung von Rechercheergebnissen nach außen
  • Auskünfte an Mandantinnen und Mandanten

Mandanten- und Gerichtstermine

Gespräche und Verhandlungen zeigen, wie aus Akten gelebte Fälle werden.

Praktikanten können

  • Termine begleiten, wenn Kanzlei und Mandantschaft zustimmen
  • Öffentliche Gerichtsverhandlungen besuchen
  • Nach dem Termin Fragen zum Vorgehen stellen

Meist nur begleiten

  • Beratung von Mandantinnen und Mandanten
  • Vertretung vor Gericht
  • Weitergabe von Informationen aus Gesprächen

Rechtsgebiete unterscheiden

Arbeits-, Familien-, Straf-, Miet- oder Wirtschaftsrecht fühlen sich sehr verschieden an.

Praktikanten können

  • Vergleichen, wie unterschiedlich Mandate verlaufen
  • Verstehen, warum Kanzleien sich spezialisieren
  • Eigene Interessen für Studium oder Ausbildung schärfen

Meist nur begleiten

  • Einordnung konkreter Fälle
  • Einsicht in besonders sensible Mandate
  • Entscheidungen über die Annahme eines Mandats

Passt dieses Praktikum zu mir?

Passt gut, wenn du

  • Freude an Sprache, genauem Lesen und sauberer Formulierung
  • Interesse an gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragestellungen
  • Geduld für strukturierte, teils kleinteilige Arbeit
  • Zuverlässigkeit im Umgang mit vertraulichen Unterlagen

Weniger passend, wenn

  • du viel Bewegung und Abwechslung brauchst
  • dir langes, genaues Lesen wenig liegt
  • du erwartest, selbst Fälle zu bearbeiten oder zu beraten

Zielgruppe

Für Schüler

Schulpraktikum

Typische Dauer
In der Regel ein bis zwei Wochen
Voraussetzungen
  • - Interesse an Recht, Sprache und Argumentation
  • - Bereitschaft zu ruhiger Büroarbeit und aufmerksamem Zuhören

Typische Aufgaben

  • - Kanzleialltag und Aufgabenverteilung kennenlernen
  • - Aktenstruktur und Ablage verstehen
  • - Einfache Recherche in öffentlich zugänglichen Quellen
  • - Besprechungen oder Termine begleiten, wenn es zulässig ist

Mindestalter

Wird von der Kanzlei festgelegt

Ob eine Kanzlei Schülerinnen und Schüler aufnimmt, entscheidet sie selbst im Rahmen der schul- und arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben.

Bundeslandabhängig

Vergütungshinweis

In der Regel keine Vergütung

Schulpraktika sind üblicherweise unvergütet.

Typisch

Zielgruppe

Für Studierende

Pflichtpraktikum (Studium)

Typische Dauer
Mehrere Wochen, je nach Vorgabe der Hochschule
Voraussetzungen
  • - Nachweis, dass das Praktikum vorgeschrieben oder anerkennungsfähig ist
  • - Sicherer Umgang mit juristischer Recherche, je nach Ausbildungsstand

Typische Aufgaben

  • - Literatur- und Rechtsprechungsrecherche zu einer konkreten Frage
  • - Sachverhalte unter Anleitung aufbereiten
  • - Interne Zuarbeit zu Entwürfen, die stets von der Anwaltschaft verantwortet werden
  • - Mandats- oder Gerichtstermine begleiten, soweit zulässig

Mindestalter

Kein festes Mindestalter

Maßgeblich sind die Vorgaben der Hochschule beziehungsweise der jeweiligen Ausbildungs- und Prüfungsordnung. Welche Praxiszeiten im Jurastudium vorgeschrieben sind, regeln die Länder unterschiedlich.

Bundeslandabhängig

Vergütungshinweis

Rechtliche Einordnung entscheidet

Ob eine Vergütung anfällt, hängt von der Praktikumsart und den Regelungen zum Mindestlohn ab. Konkrete Beträge nennen wir bewusst nicht.

Arbeitgeberabhängig

Bewerbung und Arbeitgeber

Typische Arbeitgeber

  • Einzelkanzleien
  • Mittelständische Kanzleien
  • Größere Wirtschaftskanzleien
  • Fachkanzleien mit Schwerpunkt, etwa Arbeits-, Familien- oder Strafrecht
Für Schülerinnen und Schüler ist ein Kanzleipraktikum vor allem ein Blick auf Berufsbilder und Arbeitsweise: Organisation, Sprache, Struktur. Jurastudierende bearbeiten je nach Ausbildungsstand echte Rechercheaufträge und bereiten Sachverhalte auf. In beiden Fällen gilt: Entwürfe verantwortet immer die Anwaltschaft, und nichts aus der Kanzlei verlässt den Raum. Ob ein Praktikum auf eine vorgeschriebene Praxiszeit angerechnet wird, regeln die Vorgaben deiner Hochschule beziehungsweise des Bundeslandes.

So wirkt eine Bewerbung solide

  • Schreibe konkret, welches Rechtsgebiet dich interessiert und warum
  • Nenne deinen Ausbildungsstand klar, damit die Kanzlei passende Aufgaben planen kann
  • Achte auf ein fehlerfreies, knappes Anschreiben - Sprache ist hier Arbeitsmittel
  • Frag, ob du Termine begleiten darfst; das hängt von der Mandantschaft ab

Fragen im Vorstellungsgespräch

  1. Q1

    „Was interessiert dich an Recht - eher der Streit, die Sprache oder die Ordnung dahinter?“

  2. Q2

    „Wie gehst du vor, wenn du einen langen Text schnell erfassen sollst?“

  3. Q3

    „Wie stellst du sicher, dass du Vertrauliches für dich behältst?“

Weiterlesen

Quellen und Geltungsbereich

  1. [1]Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) - Bundesamt für JustizAbgerufen am 2026-07-23
  2. [2]Mindestlohn - Informationsangebot - Bundesministerium für Arbeit und SozialesAbgerufen am 2026-07-23
  3. [3]Bundesinstitut für Berufsbildung - Startseite - Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Abgerufen am 2026-07-23
  4. [4]Bundesrechtsanwaltsordnung - Paragraph 43a (Grundpflichten, Verschwiegenheit) - Bundesamt für JustizAbgerufen am 2026-09-12
  5. [5]Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) - Bundesamt für JustizAbgerufen am 2026-09-12

Redaktioneller Hinweis

Angaben zu Mindestalter, Vergütung, Nachweisen und Abläufen sind bundesland-, träger- und arbeitgeberabhängig. Der jeweils angegebene Geltungsbereich zeigt, wie belastbar die Angabe ist. Verbindlich sind ausschließlich die verlinkten Primärquellen.